Der Kernbeißer oder 'Kirschknacker'

Anfang März 2025 beobachtete Viktor von seinem Fenster ein Kernbeißer-Pärchen in der Krone einer der Bäume des TWA-Geländes an der Au im Norden von Haus 3. Sie sind wahrscheinlich auf dem Durchzug aus ihren südlicheren Überwinterungsgebieten nördlichere Gefilde in Skandinavien. Der Vogel fällt sofort ins Auge, nicht nur wegen seiner Größe (beinahe so groß wie eine Amsel) seines farbenfrohen Kleides, sondern auch wegen seines kräftigen Kegelschnabels, mit dem er auch Obstkerne, wie z.B. Kirschkerne knacken kann, was ihm auch die volkstümlichen Namen Kirschfink, Kirschvogel, Kirschenknipper, Kirschbeerfink, Kirschknacker einbrachte. Er ist eher scheu und der größte unter den europäischen Finken. Er wird daher auch der ‚Finkenkönig‘ genannt. Der Heimzug in kleinen Gruppen und vereinzelt von Mitte Februar bis April statt („Kernbeißer“, wikipedia).
Den Ruf des Kernbeißers sowie ein sehenswertes Video, könnt ihr auf youtube unter „Kernbeißer - Vogelstimmen lernen – Ornithologie für Anfänger“ sehen (Quelle: @kallenibbenhagen )
Kein Wunder, dass der bemerkenswerte Vogel auch die Aufmerksamkeit der Märchen und Fabeldichter erregt hat. In den "Märchen und Fabeln für kleine Kinder" von Franz Hoffmann (1859) erzählt der Autor von einem Kernbeißer, dem der Reichtum des Eichhörnchens wohl bekannt war, das im Sommer und Herbst einen Vorrat für den Winter anlegt. Davon wollte der Kernbeißer Nutzen ziehen. Er umschmeichelte das Eichhörnchen, lobte seine Schönheit, so lange, bis es ihn in seine Wohnung einlud. Er überhäufte seine Gasgeberin mit Liebkosungen und Schmeicheleien bis das betörte Geschöpf ihn bat, doch den ganzen Winter mit ihm zu verweilen. Als das Eichhörnchen abends seinem alten Freund, dem Dachs, begegnete, warnte der seine Freundin, dass der Gast ihm wohl bekannt sei. Der Kernbeißer würde nur so lange Liebe heucheln bis der Vorrat an Nüssen erschöpft sei. Dann würde er sie verlassen und sie noch wegen ihrer Gutherzigkeit verspotten. Doch das Eichhörnchen verteidigte seinen neuen Freund und wurde am Ende böse und verließ den getreuen Dachs, mit dem Vorsatz, ihn nie wieder zu besuchen. So lebten das Eichhörnchen und sein Freier, der Kernbeißer, zusammen in Herrlichkeit und Freuden. Doch als der Wintervorrat aufgebraucht war, bat das Eichhörnchen seinen Freund mit ihm unter Schnee und Eis nach neuer Nahrung zu suchen, damit sie nicht verhungerten. Der Kernbeißer erwiderte jedoch spöttisch: "Nicht also, mein schönes Kind! Suche du im Schnee und Eis, ich will schon anderswo bequemer für mich sorgen!" Er lacht laut, und flog eiligst davon. (Quelle: Franz Hoffmann: "Mährchen und Fabeln für kleine Kinder", "18. Das Eichhörnchen", Stuttgart, Schmidt & Spring, 1859, S. 306)
Quelle:Titelfoto: © Holger Uwe Schmitt, Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes), Männchen im Winter, wikipedia, 12. März 2021; Kernbeißer in der TWA, Viktor Blüthgen.